#31
Krank werden konnte er sich nicht leisten. Vielleicht nur ein bisschen krank, so dass er sich trotzdem noch zur Arbeit schleppen konnte? Nur war da ein kleiner Teil in ihm, der gerne richtig krank werden würde, weil Cloud sich dann um ihn kümmerte und so viel wärmer und liebevoller ihm gegenüber war. „Ich versuch dann ganz doll wenig lästig zu werden“, versprach er dann aber, „und auch nur ganz wenig ansteckend. Ich kontrollier das einfach durch Willenskraft.“ Das letzte Wort ging etwas in einem Gähner unter, wobei er sich natürlich artig die Hand vor den Mund hielt. Der sanfte Kuss auf die Wange löste ein wohliges Gefühl in ihm aus. Eines, von dem er noch mehr haben wollte. „Bekomm ich noch einen?“, fragte er also, „der ist irgendwie voll schnell weggegangen.“ Er wollte einen haben, der länger haften blieb. Das funktionierte bestimmt, immerhin sprachen sie von Cloud und der konnte ja irgendwie alles. Also auch Wangenschmatzer mit Sekundenkleberfunktion.

Dann begann aber irgendwann der eigentliche Teil des Abends. Bowling. Und ganz gleich, wie dreckig es ihm gerade ging und wie müde er war, er gab sich wirklich Mühe. Verlieren war nämlich was für Verlierer und da gehörte er nicht dazu – nicht mehr. Trotzdem war er froh, als er irgendwann nicht mehr dran war und sich wieder auf eine der gepolsterten Sitzbänke sinken lassen konnte. Es dauerte nicht lange, bis Cloud sich zu ihm gesellte und.. ihn beleidigte. Von wegen nicht gut aussehen. „Das liegt bestimmt nur an deinem Nagellack“, sagte er dann ohne eine Spur von Garstigkeit. Still nahm er das Glas an um einen kleinen Schluck zu trinken, reichte es dann aber wieder zurück. Die Kohlensäure tat gerade irgendwie im Hals weh. Ihr Streit war vorbei. Weil sie jetzt unter Freunden waren und weil er mittlerweile auch einfach zu müde dafür war. Stattdessen rückte er nähe an Cloud heran und schmiegte sich an um kurz die Augen ausruhen zu können.

Tja – krank oder müde? Das war hier die Frage auf die Coops selber nicht so recht die Antwort wusste. Er fühlte sich gerade krank, und vor allem von Minute zu Minute etwas mehr. Aber vielleicht war das nur, weil er einfach so müde und erschöpft war, dass sein Körper ihn so zur Ruhe zwingen wollte. Wahrheit war aber, dass er sich gerade wirklich nachhause wünschte in ein warmes, bequemes Bett mit Cloud an seiner Seite, der einfach da war und nicht mit ihm stritt. Das Alles in Kombination bekam er aber nicht. Er bekam entweder das warme, gemütliche Bett, wenn er es irgendwie alleine nachhause schaffte oder er bekam einen gut gelaunten Cloud, aber dafür musste er hier bleiben und am besten auch zumindest ein bisschen performen. Maaaan, das Leben war heute einfach (mal wieder) nicht fair. Kurz vergrub er sein Gesicht an Clouds Shirt um nicht ganz so offensichtlich verzweifelt auszusehen, richtete sich dann aber doch etwas auf. „Weiß nicht. Aber… ich schaff das.“ Er versuchte sich an einem verschmitzten Lächeln. „Ich konnte mich gerade noch nicht mal drauf konzentrieren, dir auf den Hintern zu gucken. In dieser Hose…! Also… krank oder müde? Was meinst du?“