#51
Nur kurz huschte sein Blick zu der Eistee-Dose. Es war Ewigkeiten her, seit er so etwas getrunken hatte und er hätte wirklich, wirklich gerne etwas davon. Nur ein einziger Schluck würde ihm ja reichen, auch wenn sein Hals wirklich trocken war. Er wandte seinen Blick schnell wieder ab um keinen Eindruck von Bedürftigkeit zu erwecken und beobachtete stattdessen das Bild auf dem Fernseher, ohne auch nur irgendwas davon wirklich mitzubekommen. Nervös zubbelten seine Finger am Saum seines Oberteils, während er von Moment zu Moment mehr realisierte, dass er wohl nie hätte herkommen sollen. Es war offensichtlich, dass Clouds Leben ohne ihn weitergegangen war, dass er nicht auf ihn gewartet hatte und ihn auch nicht hier haben wollte. Was hatte er sich nur gedacht? Warum war er davon ausgegangen, dass er wichtig genug war, dass man wartete, selbst wenn es über ein Jahr dauerte? Wieso war es für ihn so sonnenklar gewesen, dass Cloud ihn gut genug kannte um zu wissen, dass er ihn nie im Leben freiwillig wortlos verlassen hatte?

Er sah erst wieder zu Cloud, als der aufstand und dann kurz darauf mit einer Bettdecke wieder am Sofa war. Die sah gemütlich aus. Genau die richtige Dicke und nicht zu vergleichen mit dem dünnen Stoff, den er aus dem Camp kannte. Früher hätten sie sich trotzdem gemeinsam unter die Kuscheldecke vom Sofa geschmiegt. Und während Coops einerseits froh war, dass Cloud ihm nicht plötzlich wieder so nah war, versetzte es ihm zeitgleich einen Stich, dass sein Ex-Freund scheinbar kein Bedürfnis nach Nähe hatte. Er selber hatte es, wusste aber zeitgleich, dass er sie gerade nicht ertragen konnte. Was war es also, was sein Herz gerade schmerzte?

Einen Augenblick länger als nötig bedachte er Cloud mit einem abwägenden Blick, ehe er wieder zum Film sah und dann aussprach, was ihm die ganze Zeit im Kopf herumspukte. „Du bist wütend auf mich.“ Keine Frage, sondern eine nüchterne Feststellung. „Glaubst du mir, dass ich dich nie verlassen wollte?“ Weil wenn er ihm das glaubte, konnte er dann nicht versuchen nicht mehr wütend zu sein? Konnte er dann nicht sehen, dass sie beide gelitten hatten und für ihn da sein? „Ich wäre nämlich nie gegangen. Wenn ich es gewusst hätte, ich wäre an dem Abend abgehauen. Zu dir oder irgendwohin, wo sie mich nicht finden. Aber ich wäre nie im Leben… ich hätte dich nicht verlassen.“ Jetzt waren da doch wieder die Tränen auf seinen Wangen, die er schnell wegwischte. Sie waren ihm peinlich. Unangenehm. Und er wollte Cloud damit nicht unter Druck setzen.