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So many stories of where I've been - Druckversion

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RE: So many stories of where I've been - Cooper Bennett - 22.02.2026

Nur kurz huschte sein Blick zu der Eistee-Dose. Es war Ewigkeiten her, seit er so etwas getrunken hatte und er hätte wirklich, wirklich gerne etwas davon. Nur ein einziger Schluck würde ihm ja reichen, auch wenn sein Hals wirklich trocken war. Er wandte seinen Blick schnell wieder ab um keinen Eindruck von Bedürftigkeit zu erwecken und beobachtete stattdessen das Bild auf dem Fernseher, ohne auch nur irgendwas davon wirklich mitzubekommen. Nervös zubbelten seine Finger am Saum seines Oberteils, während er von Moment zu Moment mehr realisierte, dass er wohl nie hätte herkommen sollen. Es war offensichtlich, dass Clouds Leben ohne ihn weitergegangen war, dass er nicht auf ihn gewartet hatte und ihn auch nicht hier haben wollte. Was hatte er sich nur gedacht? Warum war er davon ausgegangen, dass er wichtig genug war, dass man wartete, selbst wenn es über ein Jahr dauerte? Wieso war es für ihn so sonnenklar gewesen, dass Cloud ihn gut genug kannte um zu wissen, dass er ihn nie im Leben freiwillig wortlos verlassen hatte?

Er sah erst wieder zu Cloud, als der aufstand und dann kurz darauf mit einer Bettdecke wieder am Sofa war. Die sah gemütlich aus. Genau die richtige Dicke und nicht zu vergleichen mit dem dünnen Stoff, den er aus dem Camp kannte. Früher hätten sie sich trotzdem gemeinsam unter die Kuscheldecke vom Sofa geschmiegt. Und während Coops einerseits froh war, dass Cloud ihm nicht plötzlich wieder so nah war, versetzte es ihm zeitgleich einen Stich, dass sein Ex-Freund scheinbar kein Bedürfnis nach Nähe hatte. Er selber hatte es, wusste aber zeitgleich, dass er sie gerade nicht ertragen konnte. Was war es also, was sein Herz gerade schmerzte?

Einen Augenblick länger als nötig bedachte er Cloud mit einem abwägenden Blick, ehe er wieder zum Film sah und dann aussprach, was ihm die ganze Zeit im Kopf herumspukte. „Du bist wütend auf mich.“ Keine Frage, sondern eine nüchterne Feststellung. „Glaubst du mir, dass ich dich nie verlassen wollte?“ Weil wenn er ihm das glaubte, konnte er dann nicht versuchen nicht mehr wütend zu sein? Konnte er dann nicht sehen, dass sie beide gelitten hatten und für ihn da sein? „Ich wäre nämlich nie gegangen. Wenn ich es gewusst hätte, ich wäre an dem Abend abgehauen. Zu dir oder irgendwohin, wo sie mich nicht finden. Aber ich wäre nie im Leben… ich hätte dich nicht verlassen.“ Jetzt waren da doch wieder die Tränen auf seinen Wangen, die er schnell wegwischte. Sie waren ihm peinlich. Unangenehm. Und er wollte Cloud damit nicht unter Druck setzen.


RE: So many stories of where I've been - Cloud Hazley - 26.03.2026

Wieso steckten sie eigentlich gerade in dieser absolut absurden Situation? Da hatte Cloud gedacht, dass er heute schön essen gehen und danach ein Fick-Date haben würde, und stattdessen hockte er auf dem heimischen Sofa mit einem Rest Pizza auf dem Tisch und dem Ex, den man ewig lang verteufelt hatte, neben sich auf dem Sofa, und man war total uncomfortable miteinander. Wieso war das Leben gerade so scheiße? Dabei hätte Cloud eigentlich erleichtert sein sollen, dass Coops wieder da war, dass er ihm versichert hatte, dass er ihn nicht freiwillig verlassen hatte. Dass es nicht an Cloud gelegen hatte. Von Erleichterung war allerdings weit und breit nichts zu sehen, die machte wohl gerade Urlaub.


Im Grunde war Coops ihm vertrauter als die meisten anderen Menschen, aber das da neben ihm war ein ganz anderer Coops, einer, den Cloud nicht kannte. Einer, der nicht eingeladen wurde unter die Decke zu kommen, obwohl er so zu Cloud hinüberblickte. Aber Cloud bot es nicht an, und Coops fragte nicht. Cloud war sich auch echt nicht so sicher, ob er seinen Ex so nahe bei sich haben wollte. Schließlich wollte er sich nicht wieder irgendwelche Gefühle einfangen. Die Chancen dazu waren zwar sehr gering, aber nicht 0.


Wütend. War Cloud wirklich wütend? Nicht wirklich. Oder vielleicht doch. Er war viele andere Dinge, aber nicht so richtig wütend. Allerdings, um das genauer zu benennen, hätte man gewillt sein müssen zu reflektieren, und dem verweigerte Cloud sich strikt. Trotzdem gab er Coops eine Antwort, die ihm vermutlich nicht gefiel. „Keine Ahnung. Ich bin stinkig. Ich hab die ganze Zeit gedacht, dass du mich einfach geghostet hättest. Das ist nicht einfach weg, nur weil du sagst, dass es nicht so war.“ Mit der Hand fuhr er sich durch das Haar, um irgendetwas zu tun, weil er gerade eine Übersprungshandlung brauchte. Dann drehte er sich mit dem Oberkörper zu Coops und starrte ihn an. Hübsch war er immer noch, aber er strahlte nicht mehr. Wie ein Edelstein, der stumpf geworden war. „Ich glaub dir, dass du das nicht wolltest.“ Tat er tatsächlich, weil er es sich nicht anders vorstellen konnte. Weil das nicht typisch für den Jüngeren gewesen wäre. Aber das war die einzige Erklärung, die Cloud damals für sich gefunden hatte. Was hätte es denn auch sonst sein können? Dass Coops’ Eltern ihn in so ein Camp gesteckt hatten, das wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Sie waren es eigentlich, die an allem Schuld waren, an ihrem Herzschmerz, an Coops’ Gebrochenheit. Aber sie waren nicht da, und somit konnte Cloud seinen Ärger nicht auf sie kanalisieren.


Jetzt weinte er schon wieder… „Scheiße, Coops“, murmelte Cloud und beugte sich dann mehr aus Reflex vor, um dem anderen die Wange mit dem Ärmel seines Pullis trocken zu wischen, während er selber grimmig blickte. „Ich kann nicht ungefühlt machen, was ich die letzten Jahre gefühlt hab. Geht nicht..“ Vielleicht mit ganz viel Zeit. Hätte er gewusst, wo Coops die ganze Zeit gewesen war, dann wäre alles anders gelaufen. Dann hätte Cloud bestimmt auf ihn gewartet. Dann müsste er jetzt nicht sauer auf ihn sein. „Das ist doch alles scheiße!“, rief er nach einem Moment des Schweigens frustriert.